Alhamwi: Dieses Signal kann Dobrindt nicht einfach ignorieren
Auf Antrag der Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Rheinland-Pfalz hat der Bundesrat mehrheitlich ein Ende des von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verhängten Zulassungsstopps bei Integrationskursen gefordert. Dazu erklärt Dr Alaa Alhamwi, Bundestagsabgeordnete*r von Bündnis 90/Die Grünen aus Oldenburg:
„Der Integrationskursstopp von Bundesinnenminister Dobrindt ist integrationspolitisch falsch, wirtschaftspolitisch kurzsichtig und findet selbst unter unionsgeführten Ländern keine geschlossene Unterstützung mehr. Dass der Bundesrat nun parteiübergreifend ein Ende dieses Stopps fordert, ist eine klare Ohrfeige für Dobrindts realitätsfernen Kurs.“
Variante mit Unterstützung des eigenen Bundeslandes (Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Saarland):
Dr Alhamwi zeigt sich froh, dass Niedersachsen den Antrag unterstützt hat: „Sprache ist der Schlüssel zu Arbeit, Bildung und Teilhabe. Niedersachsen hat mit seiner Unterstützung des Antrags noch mal deutlich gemacht, das Sprachförderung keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine zentrale Voraussetzung für Integration, gesellschaftliche Teilhabe und Fachkräftesicherung ist. Wer – wie Dobrindt – Integration behindert, verschärft den Arbeitskräftemangel und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Bereits zuvor hatte ein breites Bündnis aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft in dem Appell „Bedarfsorientierung statt Rückbau: Integrationskurse wirksam weiterentwickeln“ den Entscheidungsstopp scharf kritisiert. Die Unternehmensinitiative „Vielfalt ist Zukunft“, die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen sowie der Deutscher Volkshochschul-Verband forderten, Integrations- und Sprachkurse wieder für ukrainische Geflüchtete, Asylsuchende und EU-Bürger*innen zu öffnen. Neben einer Qualitätsoffensive fordern die Organisationen zurecht auch eine Entbürokratisierung des Sprachkurssystems beim BAMF.
„Die Bundesratssitzung hat gezeigt: Der Integrationskursstopp von Bundesinnenminister Dobrindt wird von breiten Teilen der Gesellschaft und der Wirtschaft nicht gewollt ist. Dieses klare Signal über Parteigrenzen hinweg kann Dobrindt nicht ignorieren. Er muss seinen Fehler korrigieren“, so Alhamwi abschließend.
Hintergrund:
Der Zulassungsstopp betrifft rund 40 Prozent der Teilnehmenden an Integrationskursen, insbesondere Asylbewerber*innen, Geduldete und schutzsuchende Menschen aus der Ukraine. Aber auch die Träger der Integrationskurse sind aufgrund der stark sinkenden Nachfrage und den damit verbundenen Einnahmeverlusten betroffen. Gerade Angebote im ländlichen Raum und in unmittelbarer Wohnortnähe geraten unter erheblichen Druck.
Der Antrag „Entschließung des Bundesrates: Zulassungsstopp für die Teilnahme an Integrationskursen nach § 44 Absatz 4 AufenthG zurücknehmen“ wurde von den Bundesländern Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Rheinland-Pfalz eingebracht. Neben diesen stimmten auch Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Saarland für den Antrag.
Die Grünen-Bundestagsfraktion hatte schon Ende Februar in ihrem Antrag „Zugang statt Blockade – Zulassungsstopp zu Sprach- und Integrationskursen aufheben“ gefordert, dass Bundesinnenminister Dobrindt die Aussetzung der Zulassungen sofort zurücknimmt.